

Håvard Gimse gehört zu den beliebtesten und bedeutendsten Konzert- und Aufnahme-Pianisten im nordischen Raum. Sein sehr persönlicher Klang, seine einfühlsame Musikalität sowie seine intelligente und forschende Programmgestaltung haben ihm zahlreiche Auszeichnungen und durchwegs begeisterte Kritiken eingebracht. Zu seinen Ehrungen zählen unter anderem der Diapason d’Or sowie die Auszeichnung „Editor’s Choice“ des Gramophone-Magazins, unter anderem für eine jüngere Aufnahme mit dem Cellisten Truls Mørk. Gimse ist auf renommierten Labels wie Naim Audio, Sony Classical, Chandos, Simax, Naxos, Lawo, Fabra und Alpha Classics vertreten.
Besonders seine Einspielungen nordischer Repertoires – etwa das vollständige Klavierwerk von Sibelius oder ausgewählte Werke von Grieg und Geirr Tveitt – wurden als „beste auf dem Markt“ bezeichnet. Im Zusammenhang mit Tveitt war Gimse zudem an Rekonstruktionsarbeiten auf Basis alter Live-Aufnahmen des Komponisten beteiligt, da viele Partituren bei einem tragischen Brand verloren gingen.
Wo immer er auftritt, bringt Håvard Gimse auch Musik aus seiner Heimatregion mit. So hat er weltweit zahlreiche Werke bekannter und weniger bekannter Komponisten aus Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt.
Er konzertierte auf den bedeutendsten Bühnen der Welt, darunter die Wigmore Hall in London, die Carnegie Hall in New York, das Palais des Beaux-Arts in Brüssel, das Concertgebouw in Amsterdam, der Recital Hall in St. Petersburg, der Sál Suk in Prag sowie das Konzerthaus Berlin. Zu seinen jüngsten Auftritten zählen das Beethoven-Klavierkonzert Nr. 5 mit dem Hallé Orchestra in der Bridgewater Hall in Manchester sowie Bartók mit den Oslo Philharmonic in der Osloer Konzerthalle. Seine Aufführung und Aufnahme von Rachmaninows zweitem Klavierkonzert unter Dirigent Vasily Petrenko während der Pandemie wurde zum meistgesehenen Video der Oslo Philharmonic.
Neben grossen internationalen Auftritten ist Gimse seit seiner Kindheit auch auf zahlreichen kleinen Bühnen in seiner Heimat präsent. Kaum ein klassischer Musiker Norwegens hat so viele Regionen des Landes musikalisch bereist – sowohl als Solist als auch als Kammermusiker. Seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Geiger Arve Tellefsen war dabei prägend. Im Laufe seiner Karriere entwickelte er ein aussergewöhnlich breites künstlerisches Spektrum und arbeitete unter anderem mit Volksmusikern wie Knut Buen und Arve Moen Bergset, mit Jazzmusikern wie Bendik Hofseth sowie mit Schauspielgrössen wie Liv Ullmann und Lise Fjeldstad zusammen. Auch der Bildhauer Nico Widerberg und der Autor Levi Henriksen haben seine vielseitige Arbeit geprägt, die oft darauf abzielt, neue Publika für klassische Musik zu erschliessen.
Håvard Gimse ist Ehrenbürger der Stadt Kongsvinger, wo er geboren wurde und heute mit seiner Familie lebt. Dort begann er im Alter von sechs Jahren Klavier zu spielen. Seine Ausbildung führte ihn über Oslo (bei Prof. Jiri Hlinka und später Prof. Einar Steen-Nøkleberg), das Mozarteum Salzburg sowie die Hochschule der Künste Berlin, wo er bei Hans Leygraf studierte.
Seinen letzten Wettbewerb bestritt er 1987 mit dem Sieg bei „Jugend musiziert“ in Frankfurt – dem Beginn einer Reihe bedeutender Auszeichnungen. Es folgten unter anderem der Steinway Prize (1995), der Grieg Prize (1996), der Sibelius Prize (2004), der Kritikerpreis beim Bergen International Festival (2011) sowie der renommierte Lindeman Prize, einer der wichtigsten Musikpreise Norwegens.
In Skandinavien trat Gimse als Solist mit nahezu allen grossen Orchestern auf. International arbeitete er unter anderem mit dem Baltimore Symphony Orchestra, dem Atlanta Symphony Orchestra, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, dem Hallé Orchestra, dem Tokyo Philharmonic, dem Prague Symphony Orchestra, dem Konzerthausorchester Berlin, dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt sowie dem Belgian National Philharmonic Orchestra zusammen.
Neben seiner solistischen Tätigkeit widmet sich Gimse intensiv der Kammermusik und ist regelmässig bei internationalen Festivals präsent. Seine langjährige Erfahrung und musikalische Flexibilität machen ihn zu einem gefragten Partner. Er leitete unter anderem Kammermusikfestivals in Elverum und Fredrikstad (Mozart Festival) und prägte über fast 30 Jahre hinweg das Oslo Chamber Music Festival mit zahlreichen unvergesslichen Konzerten internationaler Künstler.
Seit den späten 1990er-Jahren ist Håvard Gimse zudem als Teilzeitprofessor für Klavier und Kammermusik an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo tätig. Darüber hinaus leitet er nationale Nachwuchsprogramme für junge Pianistinnen und Pianisten sowie Meisterklassen für Kinder an der Siljustøl Musikakademie im ehemaligen Wohnhaus des Komponisten Harald Sæverud.



